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Beziehung ohne Sex

Beziehung ohne Sex: Was es heißt, wie es sich ändern lässt und wann es Zeit ist zu gehen

Carola, selbstständige Anwältin, und Bernd, langjähriger Lehrer, kamen zu mir in die Beratung. Sie waren ganz zufrieden mit ihrem Berufsleben und mochten einander gerne. Aber das letzte mal Sex hatten die beiden vor 5 Jahren.

Als erstes beglückwünschte ich sie dazu, dass sie gekommen waren. Zeigte es doch, dass sie sich Gedanken machten. Sie nahmen das Problem ernst. Und das ist nicht selbstverständlich.

Oft geschieht es, dass das Thema Sexualität in der Partnerschaft, so lange nicht beachtet wird bis eine Trennung vor der Türe steht. Dann wird aus der Beziehung ohne Sex plötzlich gar keine Beziehung mehr.

Sex ist ein Grundbedürfnis!

Ohne die Erfüllung der Grundbedürfnisse Atmen, Schlafen, Essen und Trinken können wir nicht leben. Auf die sogenannten „psychosozialen Grundbedürfnisse“ wie z.B. Intimität, Berührung oder Nähe können wir tatsächlich eine Weile verzichten.

Und manche Menschen können sogar ein Leben lang darauf verzichten. Das eigene Empfinden sagt dann, was genau “ohne Sex” heißt: Seit 5 Jahren nicht mehr, nur alle 2 Monate oder überhaupt noch nie.

Keine sexuelle Anziehung zu spüren ist nicht selten und auch keine Krankheit. Viele Menschen erleben das zumindest phasenweise. Wenn ein Paar sich darüber einig ist wird es kein Problem geben.

Carola und Bernd machte das fehlende Liebesleben allerdings Sorgen

Den beiden fehlte die gemeinsame, innige Intimität und sie waren verzweifelt, weil sie keine Lösung fanden.

Ich lud sie ein, das Thema „ohne Sex leben” genauer zu beleuchten:

  1. Was genau heißt ohne Sex leben?
  2. Hatten sie niemals Sex in ihrer Beziehung?
  3. Seit wann haben sie keinen Sex?
  4. Wenn es Sex gibt, aber nur selten: Wie oft genau?
  5. Vielleicht tun sie seit langem immer das Gleiche?
  6. Welchen Stellenwert hat Sex? Wichtig – Unwichtige Nebensache?

In der Sitzung war schnell klar: Es gab noch Sex, aber der war beiden deutlich zu selten. Und, noch viel wichtiger: Es fehlten die Sachen “hinter” dem Sex. Nähe, Intimität, das Gefühl, eine Beziehung zu führen.

Fazit der Sitzung: Es muss sich etwas ändern! Aber was? Und wie?

Kein Sex mehr als Paar

Wenn man als Paar plötzlich keinen Sex mehr hat

Bei vielen Paaren kommt die Lustlosigkeit, wenn die anfängliche Verliebtheit verschwindet. Dann fehlt der emotionale Reiz, was zur Lustlosigkeit führen kann.

Oft schleichen sich nach einer Schwangerschaft und Geburt Probleme in der Sexualität ein. Manche Paare gewöhnen sich in einer Abstinenzzeit den Sex ab. Verkrampfungen und Unsicherheiten entstehen.

Den Paaren fällt es schwer, diese zu überwinden.

Auch emotionale Spannungen können ein Grund für Sexlosigkeit sein

Wenn SIE das Gefühl hat, nur für die Befriedigung SEINER Bedürfnisse zu existieren. Oder wenn Sex für IHN nur noch zusätzliche Arbeit mit Leistungsdruck ist. Das schlägt tiefe Kluften zwischen einem Paar.

Und killt die Lust.

Weitere Schlagworte: Krankheiten, Medikamente, Verhütungsmethoden, Gewichtsveränderungen. Es gibt viele Gründe. Die meisten davon sind lösbar!

Liebe im Alter

Sex in der Jugend und im Alter

Paare die sich mit 60 Jahren kennenlernen haben oft mehr Sex als Dreißigjährige, die seit zehn Jahren zusammen sind. Das heißt schon, dass andere Faktoren als das reine Alter manchmal mehr über Sex sagen.

Trotzdem neigen wir dazu, Liebe, Lust und Sinnlichkeit mit Jugend und Schönheit zu verbinden. Jugendlich sind wir nur im ersten Fünftel unseres Lebens. Und Schönheit ist immer subjektiv.

Sollten wir uns wirklich von diesen beiden Dingen abhängig machen?

Never ever! Und die gute Nachricht ist: Wir müssen es auch nicht mal!

Sex kann wie guter Wein sein

Und kann im Alter besser werden – etwas “Pflege” vorausgesetzt.

Dazu kommt: Die wahre sinnliche Reife geht meist mit weichen Bäuchen, grauen Haaren und Falten einher.

Was es aber auf jeden Fall braucht: Eine konstruktive Auseinandersetzung mit der eigenen Lust. Hast du schon mal über diese Fragen nachgedacht?

  1. Wo werde ich gerne berührt? Wie fest? Wie lange? Auf welche Art?
  2. Habe ich den Sex, den ich haben will? Oder reichen mir alle 4 Wochen zwei Minuten in Missionarsstellung, 2 Minuten lang?
  3. Mit wem möchte ich überhaupt Sex haben? Wie kann ich in meiner Partnerschaft spannenden Sex haben?
  4. Wie traue ich mich, über Sex zu sprechen? Wie kann ich Angst und Scham überwinden?
  5. Wie kann ich aus dem Muster “Jagd nach dem Orgasmus” finden und Sex ohne Druck genießen?

Die meisten Menschen haben sich diese Fragen nie gestellt, geschweige denn, sie beantwortet.

Puh, Anstrengend! Geht es nicht einfacher?

Kann eine Beziehung nicht auch ohne Sex glücklich sein? Oder zumindest mit wenig Sex oder mit unspektakulärem Sex?

Ja, natürlich! Sex ist nicht alles.

Entscheidend dafür ist dein Gefühl. Bist du zufrieden oder nicht? Wenn du dir diese Frage stellst, bin ich mir sicher, dass du die Antwort darauf einfach finden kannst!

Wenn du also sagst “Wir verstehen uns gut und mit dem Sexthema sind wir durch und wir beide sind happy ohne”, dann ist doch alles super. Wenn sich dir beim Lesen das Satzes aber der Magen umdreht, dann ist jetzt der Zeitpunkt etwas zu tun.

Leidet ein Partner unter fehlendem Sex

Leidet jemand?

Fehlender oder unbefriedigender Sex wird dann zum Problem wenn einer der beiden Partner leidet. In den meisten Fällen ist es nur für einen Partner okay, keinen Sex zu haben.

Dann wird es natürlich schwierig. Die Folge: Menschen gehen fremd. Und sei es nur im Kopf.

Wenn ein Paar Seitensprünge, Affären und die dazugehörigen Vertrauensbrüche vermeiden möchte, hilft nur eins: Das Thema konsequent angehen und darüber reden.

Wann hilft nur noch die Trennung?

Manchmal ist man nur noch aus Bequemlichkeit zusammen. Wenn das bei dir so ist: Vielleicht ist die Trennung der richtige nächste Schritt. Wenn du innerlich laut aufschreist:

Vermutlich hast du mit deiner Partnerschaft noch lange nicht abgeschlossen und musst jetzt “nur” aktiv werden.

Wenn du nicht gehst und unglücklich bist, dann frag dich doch mal was dich in der Situation hält.

  • Finanzielle Verpflichtungen? Haus? Gemeinsame Schulden? Das gute Einkommen des Partners?
  • Gemütlichkeit und Angst vor Neuem?
  • Angst vor der Trennung? Der Einschnitt im Freundeskreis, unangenehme Fragen von Leuten, die das eigentlich nichts angeht?
  • Angst vor Einsamkeit, dem unbefriedigenden Single-Leben und der nervigen Partnersuche?

Wenn du diese Fragen mit Ja beantwortest, dann könnte Bequemlichkeit der Grund sein, warum du eine Partnerschaft mit unbefriedigendem Sexleben tolerierst.

Aber kann man nach jahrelanger Partnerschaft überhaupt noch tollen Sex haben?

Selbstverständlich ist toller Sex auch in einer langjährigen Partnerschaft möglich!

Sexualität verändert sich allerdings mit der Zeit. Und damit sollte sich auch der Umgang damit weiterentwickeln. Sprich: Es geht darum, wieder etwas zu lernen.

Sex (und Spaß daran) kann man unabhängig von der Beziehungs- und Lebensphase neu entdecken. Lust lässt sich entfachen. Allerdings muss man dafür bereit sein, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Sonst passiert nichts.

Muss man keine Lust auf Sex akzeptieren

Was, wenn mein Partner keine Lust auf Sex hat, ich aber schon?

Muss ich das akzeptieren? Und wenn nein: Wie kann ich es ansprechen? Oder darf ich dann mit anderen Menschen Sex haben?

Nun ja, sofern beide einverstanden sind, ist alles möglich.

Für die meisten Paare ist es aber nicht der Weg, wenn einer der beiden mit anderen Personen Sex hat – und das offen kommuniziert wird.

Hier führt kein Weg an einem Gespräch vorbei – eventuell auch unterstützt von einem Beratungs-Profi.

Und sonst so?

Was, wenn meine Beziehung sonst glücklich ist und nur Sex ein Thema ist? Ach ja, und woran merke ich eigentlich, ob meine Beziehung “sonst” glücklich ist?

Für diese Frage empfehle ich einen Blick auf die untenstehenden Fragen. Ein eindeutiges “Ja” spricht für einen guten Weg:

  • Komme ich bei der gemeinsamen Freizeitplanung auf meine Kosten?
  • Gibt es Eigenschaften an meinem Partner, die ich schätze?
  • Fühle ich mich in Stresssituationen von meinem Partner unterstützt?
  • Bin ich mit unserer häuslichen und familiären Situation zufrieden?
  • Sind Werte und Weltanschauung kompatibel?
  • Schenken wir uns genug gegenseitige Aufmerksamkeit?

Toller Sex vs. glückliche Beziehung?

Zu wenig oder kein Sex ist meistens ein Problem.

Das, was beiden Partnern aber wirklich zu schaffen macht, ist meist das Gefühl, ungeliebt zu sein und abgelehnt zu werden. Sex sorgt dann vor allem für Kummer und Streit.

Deshalb ist es dringend nötig – zum Beispiel in einer Sexualberatung – den Druck rauszunehmen. Dort können wir das Selbstwertgefühl der Partner stärken und Lösungswege aus dem sexuellen Schachmatt finden.

Eine gute Nachricht:

Sexuelle Lust kann verloren gehen, aber auch wieder aufleben!

Eine Beratung konzentriert sich nicht nur auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Partner, sondern hilft auch dabei, die Nähe des Paares wieder herzustellen. Zusätzlich bietet eine Beratung einen geschützten Raum, damit Hemmschwellen abgelegt werden können und offen über sexuelle Wünsche gesprochen werden kann.

Im besten Fall mit der Folge: Toller Sex in einer Häufigkeit, in der beide Partner zufrieden sind.

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